Livereview und Bilder – Extremefest 2013 – 23.05.2013 – 05.05.2013

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Extremefest 2013 vom 23. – 25.05.2013
Schwarze Heide Hünxe

 

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Tag 1, Donnerstag, 23.05.2013

 

Ganz alleine fahre ich früh morgens (so gegen acht Uhr) zu Hause los. Mein Weg ist nicht so lange, nur ungefähr 200 km trennen mich vom Ort des Geschehens.

Die Karte habe ich schon ewige Zeiten zu Hause liegen, durch einen lieben Kollegen, der selber nicht fahren konnte, bin ich allerdings in sozusagen letzter Minute noch zu einer Presse-Akkreditierung gekommen, durfte also sogar meine Spiegelreflex mitnehmen und auch Fotos aus dem Fotograben schießen. Dazu aber später mehr.

Zu Hause losgefahren bin ich in strömendem Regen. Das fängt ja gut an. Ich sehe mich schon Freitags mit Triefnase vor der Bühne stehen. In Hünxe angekommen, hat zwar der Regen aufgehört, es ist aber, gelinde gesagt, schweinekalt. 4 Grad nur, und keine Sonne in Sicht.

Gut, dass ich nicht zelten muss. Ich habe ein Zimmer gemietet, garnicht so teuer, 25 Euro pro Übernachtung, Entfernung vom Festivalgelände ca. 2 km. Dass es sich um eine komplette Wohnung handelt, erfahre ich erst bei der Ankunft. Schlafzimmer – gleichzeitig auch Wohn- und Essbereich, Küche und Bad mit Dusche. Perfekt. Vielen Dank an dieser Stelle an den Reiterhof Ressig, die mich quasi vor dem sicheren Erfrierungs-Tod gerettet haben.

An alle künftigen Festivalbesucher: Diese Unterkunft kann ich vorbehaltlos empfehlen. Bringt Euch nur direkt bei der Anreise Eure Verpflegung mit. Zumindest für mein Frühstück musste ich Freitags Morgens erstmal ins 10 km entfernte Dinslaken fahren, um einzukaufen.

Der Vermieter meiner Ferienwohnung macht mir wenig Hoffnung, dass das Wetter besser wird. Wenn er das sagt, und der wohnt hier, dann Prost Mahlzeit…. Die Klamotten, die ich für die diesjährigen Festivals genäht habe, kann ich somit auf jeden Fall nicht anziehen. Ich würde sonst erfrieren.

Gut, ich ziehe mir also noch eine zweite Jacke an, packe die Lederhose ins Auto und fahre direkt zum Gelände. Dort möchte ich das Auto stehen lassen bis Sonntag, denn 2 km sind ja schnell gelaufen.

Die Parkplätze sind gut organisiert, wie ich finde. Es sind genügend Einweiser da, der Weg zum Camping-Ground ist nicht allzu weit. Die Festivalbesucher die mit dem Wohnwagen angereist sind, haben einen eigenen Bereich und sind schon seit Mittwoch kräftig am Feiern. Die ersten verschlafenen Gesichter tauchen auf, kurz nachdem ich am Gelände angekommen bin, Musik an, Bierchen auf und weiter gehts….

Der Umtausch der Akkreditierung gegen den Photo- und VIP-Pass hat reibungslos funktioniert. Begrüsst hat mich direkt Sebastian von Hubble-Music, er ist der Presseverantwortliche und das ganze Wochenende vor Ort, falls Fragen / Probleme auftauchen oder man einfach nur mal ein Schwätzchen halten möchte.

Über den Campingplatz No. 1 kommt man schlussendlich auf das eigentliche Festivalgelände. Hier bildet die Main-Stage den Hauptanlaufpunkt, umrahmt von diversen Speise- und Getränkeständen und dem Metalmarkt. Sofort entdecke ich den Stand von FDA Rekotz, wo ich mich abends mit Deserted Fear treffen werde… Wenn man’s genau nimmt, ist der halbstündige Auftritt der Jungs am Freitag der ausschlaggebende Punkt gewesen, dass ich überhaupt auf dieses Festival fahre. Die Musik überzeugt einfach….

Aber auch weitere Labels, Mailorder und Merch-Stände sind aufgebaut (und bieten zur Not eine Unterstellmöglichkeit, wenn es denn mal anfängt zu regnen). Da noch ein bisschen Zeit bis zum ersten Konzert bleibt, stöbere ich in T-Shirts und Pullis, Patches werden begutachtet und ich speichere schon mal in meinem Kopf, welche Gegenstände am Samstag meinen Geldbeutel erleichtern werden. Ein paar schicke Shirts habe ich gesichtet, perfekt um sie umzuarbeiten.

Um 13.30 Uhr ist es dann soweit. Das Extremefest 2013 wird eröffnet. Die deutsche Band Scornage hat das Vergnügen, die Menge zu Beginn direkt mit einer ordentlichen Portion Thrash-Metal aufzumischen. Auch wenn es pünktlich zum ersten Song plötzlich aus allen Wolken schüttet, ist die Stimmung dennoch direkt angeheizt. Der kurze Guss tut hieran keinen Abbruch, und bereits nach 5 Minuten hat sich eine Traube von Neuankömmlingen und bereits aus dem Zelt gekrochenen Festival-Besuchern gebildet. Viel zu schnell ist die halbe Stunde hämmernder Metal-Salven vorbei. Ein wirklich gelungener Einstand für das Extremefest 2013.

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Den nächsten Part übernehmen die Jungs von Mass Infection, einer Death-Metal-Band aus Griechenland. Diese lassen es etwas ruhiger angehen, das wilde Springen vor der Bühne wird durch den ersten Circle Pit abgelöst. Es muss nur einer den Anfang machen. In diesem Fall war es die wirklich stylisch gekleidete Bademantel-Truppe aus dem zweiten Zelt hinten links. Auch die beiden Ordnungshüter mit Polizei-Kelle machen mit, und stecken weitere Besucher an. Das ganze findet jenseits der dritten Reihe statt, so dass man vorne an der Absperrung trotzdem noch bequem stehen und Bilder schießen kann.

Die Bühnenshow ist jetzt nicht so der Kracher. Ich hätte 300 Bilder machen können, und alle hätten irgendwie gleich ausgesehen. Nun ja, jenseits der 2 Promille wird eh nicht mehr großartig auf Show geachtet, die Musik kann man auch hören ohne auf die Bühne zu schauen.

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Die maskiert-vermummten Jungs von Ultimo Mondo Canibale, einer Grindcore-Band aus Italien, führen die Konzertreihe fort. Mit wummernden Bässen, Gitarren und dämonisch verzerrten Stimmen ging es in die dritte Party-Runde. Auch hier fängt es wieder urplötzlich an zu regnen, zudem kommt noch ein längerer Hagel-Schauer hinzu, so dass die Merch-Stände wieder willkommene Anlaufpunkte waren.

Nach dem Auftritt der Jungs entschließe ich mich, das erste Mal zum Auto zu laufen, und eine weitere Jacke zu holen. Wir haben erst 16:00 Uhr, und das Wetter wird wohl nicht mehr besser, so dass man warm vermummt wohl eher besser dran ist.

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Pünktlich zu Cliteater, einer Grindcore-Band aus Holland, bin ich wieder am Ort des Geschehens. Wie man sieht, sind die Wege nicht weit. Für einen Kaffee hat’s auch noch gereicht. Ob 16:00 Uhr der perfekte Zeitpunkt ist, um aus dem Zelt auf’s Gelände zu kommen sei jetzt mal dahingestellt, aber an allen drei Tagen beginnt der Ansturm um diese Zeit größer zu werden. Cliteater liefern gut ab. Muss ich mir im Hinterkopf behalten. Die meisten der (vor allem) kleinen Bands kenne ich nicht und lasse mich sowohl vom Stil als auch vom Auftritt her jedes Mal neu überraschen. Witzigerweise kommt der Bassist der Band direkt aus dem Urlaub auf die Bühne gehechtet. Da der Rückflug Verspätung hatte, schafft er es nur zum letzten Song. Da wird aber noch mal ordentlich aufgedreht, die Menge ist begeistert und verlangt Zugabe.

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Hate (Black/Death-Metal aus Polen) Dass vor kurzem der Bassist verstorben ist, hat man der Band während des Auftrittes nicht angemerkt. Respekt vor allem dafür, dass die Band die Termine nicht abgesagt hat, sondern mit Ersatzmann weiterspielt um die Fans nicht zu enttäuschen.

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Im Anschluss stürmten Broken Hope die Bühne. Die Death-Metal-Band aus Chicago sind für mich eine der besten Bands des Tages. Jetzt müssen die Zelte wohl leer geräumt sein, denn der Platz vor der Bühne ist sehr gut gefüllt. Auch hier wollen die Fans mehr, was leider aufgrund des straffen Zeitplans auf einem Festival nicht möglich ist.

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Die großen Drei des Tages stehen noch aus. Eine wahre Menschenmasse pilgert zum Auftritt von Milking the Goatmachine. Die heizen mit einer Mischung aus Grindcore, Thrash- und Death-Metal so richtig ein. Ein seltenes Bild für mich ist die Tatsache, dass der Drummer gleichzeitig den Gesangspart übernimmt. Das sieht man nicht oft. Wie üblich tritt die Band mit Ziegenmasken auf, und bildet auch die Ansagen zwischen den Songs sowie das gesamte Auftreten rund um das Thema „Ziege“. Der Platz in der ersten Reihe ist mir bei diesem Konzert nicht mehr so sicher, denn die Drängelei, die ich eigentlich schon früher erwartet hatte, setzt nun ein. Nach den ersten Bildern verziehe ich mich daher an den Rand, um von dort aus die Show weiter zu verfolgen. Die ersten Crowd-Surfer werden nach vorne durchgereicht und die Security hat das erste mal Richtig zu tun. Alles in allem waren MTGM der erste kleine Headliner des Abends.

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Vorletzte Band am heutigen Tag sind Enslaved aus Norwegen. Auch hier gibt es musikalisch nichts zu meckern, Extreme-Metal vom Feinsten. Die Jungs lassen es ein bisschen ruhiger angehen, was auch in der Zuschauer-Zahl zu sehen ist. Für die vorletzte Band des Tages ist sehr wenig los vor der Bühne. Klar, dass ein Goatmachine-Fan den krassen Stilwechsel nicht gut verkraften kann und sich dann eher wieder Richtung Bierzelt verdrückt. Ein besonderer Respekt gilt dem Gitarristen, der den kompletten Auftritt ohne Shirt absolviert und garantiert mächtig gefroren hat.

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Legion of the Damned, der Headliner des ersten Tages. Pünktlich zum Sonnenuntergang gibt es Death-/Trash-Metal auf die Ohren. Die Niederländer ziehen die Massen wieder an. Auch hier wird es in der ersten Reihe bald ungemütlich. So hatte ich das erwartet. Gegen die Kälte, die jetzt herrscht hilft nur eins: Mitspringen. Die Füße machen dass allerdings schon von ganz alleine, die Besucher werden wahrlich mitgerissen. Viel zu schnell vergeht der einstündige Auftritt. Obwohl es die Letzte Band des Abends ist, werden auch hier die Rufe nach Zugabe überhört.

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Nach Legion of the Damned treffe ich mich noch kurz mit Simon und Fabian von Deserted Fear. Die beiden weiteren Band-Member, Manuel und Albi, sind auch dabei. Meine vorbestellte Limited Edition von “My Empire” auf Vinyl hat Rico von FDA Rekotz extra früher losgeschickt, damit sie bei mir pünktlich zum Festival ankommt. Die muss nämlich noch signiert werden, was wir dann direkt gemacht haben.

Einige Rätsel gibt die Platte auf. Warum ist die nicht schwarz sondern blau marmoriert? Ist da überhaupt das richtige drauf? Muss ich zu Hause direkt mal testen. Habe zwar keinen eigenen Plattenspieler, aber in der Nachbarschaft lässt sich so ein Teil bestimmt auftreiben. Wenn es nicht eine falsch gelabelte Platte ist, bin ich wohl im Besitz eines echten Unikates denn in blau wurde die Platte gar nicht aufgelegt.

An allen drei Festival-Tagen wird nach dem Tages-Programm im Party-Zelt weiter gefeiert. DJ Throatcancer aus dem Turock heizt der Feier-Gemeinde noch bis in die frühen Morgenstunden ein. Wer dann immer noch nicht genug hat, feiert auf dem Zeltplatz weiter. Trotz Kälte und zum Teil gefrorenen Zelten ist die Feier-Laune der Besucher nicht gesunken. Das Festival macht seinem Namen wirklich alle Ehre. Extremefest – For Extreme People.

Die Tent-Stage habe ich garnicht besucht. Zum einen spielen dort eher die Bands, die ich sowieso nicht kenne, zum zweiten müsste ich dann dauernd zwischen Main- und Tentstage wechseln, was bei der massigen Anzahl Bands echt in Stress ausartet. Zumal zwischen den beiden Bühnen die Einlasskontrolle aufgebaut ist, Das ist eine organisatorische Sache, die nicht so sinnvoll und durchdacht gewesen ist.

Habe mir angewöhnt, nicht in den Fotograben zu gehen, sondern die Bilder direkt aus der ersten Reihe zu schießen, diese werden (mMn) eh besser da ich viel zu klein bin, um gute Bilder schräg auf die Bühne zu machen, mein Objektiv lässt keinen wirklich nahen Zoom zu, so dass die Bilder aus der ersten Reihe qualitativ besser werden.

Zum Wetter noch folgendes: Währen Cliteater kommt dann tatsächlich die Sonne raus, und bleibt bis Abends. In der Sonne ist es auch relativ warm, wenn der Wind nicht wäre, könnte man es gut im T-Shirt aushalten. Und weil zu dem Zeitpunkt natürlich keiner mehr daran denkt, sich einzucremen, habe ich mir ganz gut das Gesicht verbrannt. Gegen die Kälte, die trotzdem noch herrscht, gibt es Gott sei Kaffee-Stände. Trotzdem war ich abends so durchgefroren, dass ich nicht mehr lange auf dem Gelände geblieben bin. Ich ziehe es am ersten Abend vor, doch nach Hause zu fahren. Erstens ist es wirklich nicht gerade warm, ich schätze mal um die 0 Grad, und zweitens tun mir die Füße weh vom vielen Stehen. Getrunken habe ich eh nichts, von daher besteht nicht die Notwendigkeit, das Auto stehen zu lassen.

 

Tag 2, Freitag, 24.05.2013

 

Geweckt werde ich um ca. 6 Uhr – und zwar weil die Sonne in mein Bad-Fenster scheint. Toll… Sonne… Und kein Regen. Zwar ist es immer noch arschkalt, aber es ist trocken und gegen Kälte kann man sich besser schützen als gegen Regen.

Zunächst muss ich tatsächlich einkaufen fahren. Hatte als Proviant nur trockene Laugenbretzel und Brötchen dabei, und habe erst einmal Brotbelag, frische Brötchen und ein paar Süßigkeiten eingekauft. Die Sparkasse bekam auch noch mal Besuch, denn weil ich es nicht geschafft hatte, mein Ticket weiter zu veräußern, habe ich weniger Bargeld bei mir als ich berechnet hatte.

Die Sonne hält sich noch und so kann ich fast auf der Terrasse frühstücken…. Habe zumindest das Fenster weit aufgemacht, dann kalt ist es trotzdem noch, wieder nur 4 Grad, mein Auto meldet Glatteisgefahr als ich losfahre.

Kaffee habe ich auch besorgt, denn eine Kaffeemaschine ist auch vorhanden. Ganz wichtig zum wachwerden morgens, denn wirklich ausgeruht bin ich noch nicht. Und mein Gesicht brennt, muss mich heute unbedingt eincremen, auch wenn nach dem Frühstück zunächst die ersten Wolken den Himmel belagern. Aber ich bin guter Dinge, die verschwinden wieder, da bin ich mir ganz sicher.

So trage ich zwar die Lederhose, aber ich bin todesmutig und wähle für den Anfang nur das Deserted Fear Trägerkleid aus. Habe ja quasi eine Trageverpflichtung bekommen die ich erfüllen muss, das mache ich natürlich gerne.

Pünktlich zum ersten Konzert stehe ich also wieder vor der Bühne. Zusammen mit mir noch ein Dutzend weiterer Besucher, die bereits aus dem Zelt gefallen sind.

Vibrion, Death Metal aus Argentinien, eröffnen den zweiten Festival-Tag. Wer jetzt noch schläft, hat entweder Ohrstöpsel an oder kämpft noch mit dem letzten Bier vom Abend zuvor, denn ab dem ersten Ton hat die Band die Zuschauer voll im Griff. Das ist eine weitere Band, die ich mir für später im Hinterkopf behalte.

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Viscera Trail sind aus Israel angereist um auf dem Extremefest zu spielen. Bereits im Flugzeug zieht die Band die Aufmerksamkeit sämtlicher Mitreisenden auf sich, denn im Handgepäck befinden sich unter anderem eine Ananas, eine Wassermelone und eine riesige Vagina aus Schaumstoff. Zusammen mit Babyrassel, Knochenkette und Windel in XXL bilden diese das Equipment für die halbstündige Show. Frontman Shahaf Ostfeld hat neben Tankard-Sänger Andreas „Gerre“ Geremia an diesem Festival-Wochenende wohl die meisten Kalorien verbraucht. Kaum eine Sekunde, wo der Mann still steht. Selbst ein festhängendes Mikro-Kabel hindert ihn nicht am weiterzappeln. Ebensowenig wie die Fans, die sich mit Wasserbällen, Schwimmtieren und jede Menge Konfetti bewaffnet in den ersten Circle-Pit des Tages stürzen. Die Mischung aus Brutal-, Death- und Grind ist nicht so ganz mein Fall, aber die Anhänger dieses Genres kommen voll auf ihre Kosten.

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Vomitous-Frontmann Andy Tseung hat beim Auftritt von Viscera Trial schon seinen Bühnen-Einstand gegeben, indem er die überdimensionale Schaumstoff-Vagina gespielt hat. Jetzt steht der Sänger selbst im Vordergrund. Die Band aus Schweden widmet sich dem Brutal Death Metal und hat sogar Fans aus dem Heimatland mitgebracht. Mit wehenden Fahnen stehen diese neben mir in der ersten Reihe und kennen kein Halten während dem 30-minütigen Gig. Ich muss so manches Mal der Fahnenstange ausweichen, sonst wäre ich jetzt um ein paar blaue Flecke reicher. Aber es ist schön zu sehen, dass auch in Deutschland unbekannte Bands ihre Anhänger haben.

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Mit Deserted Fear steht um 15:45 Uhr die erste deutsche Death-Metal-Band des Tages auf der Bühne. Die 4 Jungs aus Eisenberg in Thüringen geben ab dem ersten Song mächtig Gas. Die Zuschauer werden auf dem großen Festival-Gelände ebenso in den Bann der Band gezogen, wie es auch in kleinen Club-Konzerten der Fall ist. Wir bekommen 7 Songs des Debüt-Albums „My Empire“ um die Ohren geknüppelt, auch hier ist die halbe Stunde viel zu schnell vorbei. Das schreit nach Wiederholung. Finden auch weitere Festivalbesucher, denn nach dem Konzert nimmt die Anzahl der Deserted-Fear-Shirts sichtbar zu.

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Hypnos entern die Bühne. Nochmals Death-Metal, diesmal aus Tschechien. Nach Deserted Fear wirken die Jungs am Anfang ein bisschen lahm und bewegungslos, aber die Musik überzeugt und spätestens beim zweiten Song wird wieder heftig mit den Köpfen genickt. Eine wirkliche Bühnen-Show gibt es nicht, von daher ist genug Zeit sich auf die Musik zu konzentrieren. Was aber auch nicht schlimm ist, denn dafür sind wir schlussendlich alle da.

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Katalepsy aus Russland bezeichnen ihren Stil als Slamming Brutal Death Metal. Und brutal ist es dann auch. Brutal gut nämlich. Von Anfang an zieht uns Frontmann Ruslan “Mirus” Iskandaroff in den Bann, eine wahnsinnige Bühnen-Präsenz. Ich bin mir sicher, dass man auch in Zukunft noch einiges von dieser Band hören wird.

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Fleshgod Apocalypse aus Italien schlagen auf, und liefern mit ihrem Extreme-Metal eine wahrhaft gute Show ab. Als erstes springt natürlich das Klavier ins Auge, welches auf die Bühne gefahren wird. Ich liebe Klavier in Verbindung mit harten Gitarren, daher ist das schon der erste Pluspunkt. Danach muss ich eingehend die Kostüme bestaunen. Für mich als Klamotten-Label natürlich mindestens genauso interessant wie die Musik. Zu guter letzt dann die Musik, jeder Ton sitzt, und die 45 Minuten vergehen wie im Flug.

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Septic Flesh aus Athen liefern uns eine Mischung aus Death- und Gothic-Metal. Es wird zwar ein bisschen ruhiger, aber dennoch sehe ich eine Menge Haare in der Luft wirbeln. Die Zuschauerzahl ist nicht ganz so hoch, wie bei den vorherigen Bands, aber doch noch ganz ordentlich, so dass der Platz vor der Bühne gut gefüllt ist. Sänger Spiros „Seth“ Antoniou versteckt sich hinter seinem ausladenden Mikrofon-Vorbau, das ist jetzt nicht so optimal gelöst, zu hören ist er dennoch gut und hat den Rest der Band voll im Griff.

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Eigentlich stehen jetzt Necrophobic auf dem Plan. Ein paar Tage vor Beginn des Festivals wurde allerdings schon bekannt gegeben, dass dieser Auftritt abgesagt werden musste. Bis zum Schluss war nicht sicher, ob es einen Ersatz geben wird und daher stehen nach Septic Flesh erst einmal alle ein bisschen blöd in der Gegend herum. Im Endeffekt wird der Platz in der Running Order dann einfach leer gelassen. Bedeutet 1,5 Stunden Pause auf der Main-Stage. Genug Zeit etwas zu Essen, zu Trinken oder doch einmal einen Abstecher in das Party-Zelt zu machen.

Mit Grave werden die großen 3 des zweiten Festivaltages eröffnet. Death-Metal aus Schweden vom feinsten. Die ersten Crowd-Surfer müssen von der Security aus der Menge gefischt werden, und es gibt sicherlich das ein oder andere blaue Auge, von dem am nächsten Tag berichtet wird. Ich bekomme von den Drängeleien hinter mir nicht viel mit, denn ich bin viel zu sehr damit beschäftigt, trotzdem das ein oder andere nicht verwackelte Foto zu schießen. Grave rules, das ist mal sicher.

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Entweder man liebt Tankard oder man hasst sie. Ein Mittelding gibt es da nicht. Sehr viele sind zu diesem Konzert gekommen, es wird ein weiteres Mal ungemütlich vor der Bühne. Musikalisch liefern die Jung um Frontmann Andreas „Gerre“ Geremia gut ab und ziehen das Publikum in Ihren Bann. Mein Fall ist dieser Stil des Trash-Metal nicht, und meiner Meinung nach passt diese Band nicht in das Lineup des heutigen Tages. Aber das ist natürlich Geschmackssache, und die Menschentraube vor der Bühne, die begeistert zuschauen sehen das mit ziemlicher Sicherheit anders.

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KataklysmDeath Metal aus Kanada, stürmen als Headliner die Festival-Bühne. Von Beginn an mit einer Wahnsinns-Lichtshow fällt es ein bisschen schwer, sich auf das wesentliche, nämlich die Musik und das Fotografieren zu konzentrieren. Man weiß gar nicht, wo man als erstes hinschauen soll. Dass die Band 1 Stunde 15 spielt, macht es einfacher, denn es ist genug Zeit dem Konzert noch zu folgen. Mit einem Feuerwerk an Eindrücken endet so der zweite Festival-Tag.

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Das Wetter hat gut mitgespielt. Die Sonne ist tatsächlich bis zum Untergang ununterbrochen am Himmel gewesen. Lediglich nach Deserted Fear hat es zwei, drei kleine Tröpfchen geregnet. Allerdings ist es immer noch furchtbar kalt, und diejenigen die heute Nacht im Zelt schlafen (müssen) haben mein vollstes Mitgefühl. Ich beschließe daher, auch heute mit dem Auto nach Hause zu fahren. Der Sonnenbrand im Gesicht ist natürlich nicht verschwunden, sondern eher noch ein bisschen stärker geworden. Obwohl ich mich echt brav eingecremt habe. Ein bisschen Schwund ist halt immer, und wenn es sonst keine weiteren großen Probleme gibt, kann ich glaube ich auch damit ganz gut leben.

Ich lasse es mir nicht nehmen, noch einige Bilder zu sichten vom heutigen Tag und bin echt ein bisschen überwältigt ob der Menge der geschossenen Fotos. Gut, ich habe den Serien-Sport-Modus eingestellt und daher oftmals  4 oder 5 Bilder des selben Motivs, aber dass es trotzdem allein am heutigen Tag 4000 Bilder geworden sind, das hätte ich nicht gedacht. Das wird eine langwierige Sortierarbeit, das ist mal sicher.

 

Tag 3, Samstag, 25.05.2013

 

Auch heute werde ich von der Sonne geweckt. Allerdings nicht schon um sechs Uhr, wie gestern, sondern gnädigerweise ein paar Stunden später, nämlich um zehn.

Nach einem großen Frühstück und dem Übertragen der gestrigen Bilder auf den Laptop geht es frisch gestärkt und motiviert auf das Festivalgelände, um den dritten und letzten Tag einzuläuten. Das erste Konzert beginnt um 13:00 Uhr. Natürlich bin ich viel zu früh da, und darf mir noch ein bisschen die Zeit im Tourbus von Deserted Fear vertreiben. Die Jungs von Arroganz sind ebenfalls da. Wir sind alle noch nicht ganz wach aber gespannt auf das, was der letzte Tag bringt. Das Wetter scheint ja schon einmal mitzuspielen, ich habe die zweite Jacke zunächst im Auto gelassen.

Nach dem ersten Kaffee des Tages geht es dann auch schon los.

Scarlet Anger aus Luxemburg eröffnen den dritten und letzten Festivaltag. Das ist eine Form von Trash-Metal, die mir gefällt. Es sind noch sehr wenige Besucher da, vielleicht 30 oder so. Trotzdem zieht die Band die Show in einem Hammer-Tempo durch und sie haben auf jeden Fall Spaß bei dem was sie tun, das merkt man.

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Zu Satan’s Revenge on Mankind aus Sachsen-Anhalt und Gutalax aus Tschechien kann ich nur sagen: Man muss sich nicht alles anhören. Wer auf Grind steht, ist gut bedient mit diesen beiden Bands, man sieht es an den Zuschauerzahlen, diese sind für solch frühe Konzerte extrem hoch, aber mein Fall ist es nicht. Die Pflicht-Fotos habe ich geschossen, und danach habe ich mich sehr gut mit der Kaffee-Frau unterhalten.

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Obscenity aus Oldenburg ist dann wieder etwas ganz nach meinem Geschmack. Death Metal mit hämmernden Gitarren, Bass und fliegenden Haaren. So muss das sein. Da es die Band schon seit 1989 gibt wundert es mich, dass ich bisher noch nichts von denen gehört habe. Bekommen auf jeden Fall auch einen Platz in meiner Playlist für die nächsten Wochen.

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Genauso stark sind Negator. Die Band aus Hamburg mixt Panzer-/ Black- und Death-Metal zu einer Mischung, bei der kein Kopf still halten kann. Der Anklang, den die Band bei den Besuchern findet ist riesig, und mit einem Mal ist der Platz vor der Bühne gut gefüllt. Die Mischung aus guter Musik und 5 gutaussehenden Bandmitgliedern lässt vor allem die Frauenherzen höher schlagen, und steigt bei diesem Konzert der Anteil der weiblichen Zuschauer extrem stark an. Diese Band kann ich ebenfalls vorbehaltlos weiter empfehlen und ich bin mir sicher, diese nicht das letzte Mal gesehen zu haben.

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Gospel of the Horns, gegründet in Australien, nun aber wohnhaft in Deutschland hat ein Wochenende zuvor bereits auf dem RockHard-Festival gespielt und wurde mir von meinem Kollegen Thomas empfohlen. Der hat eine wirklich gute Musik-Kenntnis und so bin ich natürlich gespannt auf diesem Auftritt. Die Mischung aus Black- und Trash-Metal kommt gut beim Publikum an und es wird kräftig mitgesungen. Trotz Verletzung hat Sänger Mark Howitzer seinen Bass voll im Griff und die Band zeigt auch hier das, was Thomas bereits auf dem RockHard gesehen hat: Eine gute Show.

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Entrails aus Schweden setzen die Reihe guter Musik fort. Die Band hat das Publikum im Griff, vom ersten bis zum letzten Song gibt es brutalen Death-Metal (and no fucking else) um die Ohren. Sänger und Bassist Jocke Svensson zeigt eine Bühnen-Präsenz vom feinsten und zusammen mit den weiteren Band-Mitgliedern wird die Bühne echt gerockt. Eines der Highlights für mich an diesem dritten Festivaltag, und auch hier spreche ich wieder eine Empfehlung aus, diese Band in die Playlist eures Musik-Wiedergabegerätes einzuspeichern.

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Nocte Obducta, eine Black-Metal-Band aus Mainz. Passt (wie gestern Tankard) nicht so richtig in das Lineup. Die Musik ist ziemlich ruhig, eher ein Fall für das WGT. Ich habe auch hier nur die nötigen Bilder gemacht, und mir die Show dann vom Rand aus angesehen. Nach der Hammer-Show, die Entrails abgeliefert haben, hat es hier einen Stimmungsbruch gegeben, denn das Publikum des Extremefestes ist meiner Meinung nach auf Nocte Obducta nicht ausgelegt. Musikalisch aber trotzdem sehr gut, auch wenn es anfangs ein paar Technische Probleme gegeben hat.

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Auf Vader habe ich mich an diesem Wochenende unter anderem sehr gefreut. Endlich diese Band mal Live sehen. Die Polnische Combo serviert Death-Metal-Salven von vorne bis hinten, die 45 Minuten Spielzeit sind leider wie bei so manch anderer Band an diesem Tag viel zu kurz. Es sind extra Fans aus Polen angereist, um ihre Vorbilder live zu sehen. Nach Nocte Obducta ist hier schnell die Stimmung wieder auf dem Höhepunkt. Obwohl mittlerweile ein eisiger Wind weht und Wolken die Sonne verdecken ist es trotzdem einigermaßen warm denn man kann nicht anders, man muss mitspringen… Ich behaupte, ab jetzt sind es nur noch Headliner, die die Bühne stürmen.

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Die Niederländer von Hail of Bullets aus Rotterdam hatten es mir im Lineup des Extremefestes ebenfalls bereits im Vorfeld angetan. Death Metal aus Holland rules, kann ich da nur sagen. Sänger Martin van Drunen durfte ich Ende letzten Jahres bereits auf einem Asphyx-Konzert bewundern, die raue Stimme geht immer noch durch und durch. So liefern die Jungs perfekt ab, die Show ist echt grandios, kurzweilig und die Zuschauer feiern die Band mit wildem Kopf-Genicke und Crowd-Surfing. Auch hier hat die Security wieder einmal keine Langeweile.

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Am Ende der Show verabschiedet sich mit der Band gleichzeitig leider auch das gute Wetter. Es beginnt zu Regnen wie aus Eimern und der Wind lässt die eh schon niedrige Temperatur von ungefähr 6 Grad noch mal um gefühlte 20 Grad sinken. Am Stand von FDA Rekotz bekomme ich erst mal einen Tee spendiert, zum Wärmen der Hände und zum Aufwärmen von innen sehr hilfreich. An dieser Stelle noch mal vielen Dank dafür. Auch für den Platz im warmen Tourbus, ohne den ich wahrscheinlich an diesem Abend glatt erfroren wäre.

Thyrfing habe ich mir dann gar nicht angesehen. Aber laut der Augenzeugenberichte war mächtig was los vor der Bühne. Die wahren Fans trotzen dem Regen und der Kälte und feiern einfach mit.

Behemoth aus Polen bilden das Schlusslicht des diesjährigen Extremefestes. Mit ungefähr 30 Minuten Verspätung kann das Konzert endlich beginnen. Trotz des Regens und der Kälte haben sich dennoch einige Zuschauer eingefunden. Das Champions-League-Finale ist ja nun auch vorbei, und die Besucher pilgern von der Großleinwand zur Main-Stage, um sich den Headliner des letzten Abends anzuschauen. Der Aufbau beginnt bereits nachmittags, trotzdem benötigt die Band für die letzten Vorbereitungen und den Soundcheck noch bis ca. 0:00 Uhr, was einige Zuschauer vertreibt angesichts des nun vorherrschenden schlechten Wetters.

Dafür startet die Show umso spektakulärer mit Feuerwerk und Rauchbomben, von Beginn an herrscht eine ausgelassene Stimmung und die Jungs liefern einen Top-Song nach dem anderen ab. Wenn es draußen kalt ist, muss man es sich warm tanzen, das denken sich auch die anderen Besucher und so sieht man bald nur noch eine wogende Menschenmenge vor der Bühne stehen. Alles in allem eine grandiose Abschluss-Show.

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Fazit:

Trotz des extrem ungemütlichen Wetters war das Extremefest in diesem Jahr ein kleines Highlight in meinem Festivalplan. Gute Mucke, viele nette Leute – die 3 Tage vergingen wie im Flug.

Über den Preis des Tickets kann man nicht meckern, knappe 60 Euro für 3 Tage gute Musik sind absolut vertretbar. Auch Essen und Getränke sind bezahlbar, und vom Geschmack her ist für jeden was dabei. Ganz besonders oft bekam das Cafe Kolibri von mir Besuch – Belgische Waffeln, Kaffe, Cappuccino, Latte Macchiato und heiße Schokolade – sehr zu empfehlen.

Die Organisation verlief alles in allem eigentlich ganz gut, allein die Tatsache, dass sich bereits an Tag Nr. 1 direkt vorm Eingang ein riesiger Morasthaufen gebildet hat (und leider erst am dritten Tag aufgeschüttet wurde) verdient einen kleinen Minuspunkt. Ebenso nicht ganz so gelungen war die Idee, die Eingangskontrolle zwischen Party-Zelt und Main-Stage zu legen. Das hat zumindest mir den Spaß verdorben, zwischen den beiden Bühnen zu wechseln, weshalb ich wahrscheinlich eine Menge guter Underground-Bands verpasst habe.

Ansonsten hoffe ich einfach mal, dass es auch im nächsten Jahr wieder ein Extremefest geben wird, der kurze Anfahrtsweg, die Unterkunft, die geschlossenen Bekanntschaften haben das Wochenende für mich zu einem besonderen Erlebnis gemacht.

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